Erfahren Sie mehr über unseren Verein
Wer wir sind:
Ein engagierter Verein für das Leonhardsviertel
Der Dritte Raum Stuttgart e.V. ist ein Verein, der sich für die Mitgestaltung unseres Quartiers einsetzt. Unser Fokus liegt auf der Renovierung des Züblin Areals und der Förderung demokratischer Werte durch Bürgerbeteiligung.
1. Vorgeschichte und Anlass
Die Stadt Stuttgart hat 2019 das absehbare Auslaufen des Erbpachtvertrags zum Anlass genommen, die Zukunft des Züblin-Parkhauses und seines Umfelds zu einem IBA’27-Projekt zu machen. Dabei ging es um die Leonhardsvorstadt als Ganzes – ein Quartier, das in der Nachkriegszeit in einzelne Teilbereiche zerfallen war und in dem das Züblin-Parkhaus gleichzeitig Barriere und unattraktive Mitte ist.
Als Ergebnis eines aufwändigen Bürgerbeteiligungsverfahrens entstand das Bild eines großen Hauses, das die dunkle Mitte in ein lebendiges Herz des Quartiers verwandelt. Ein Haus, das Platz für die Gemeinschaft, Spielflächen für die Jugend, Treffpunkte, Werkstätten und 100 preisgünstige Wohnungen anbietet. Der Gedanke, das ungeliebte Parkhaus in einen Ort für die Zukunft des Quartiers zu verwandeln, stieß bei vielen auf Begeisterung, bei einigen aber auch auf Unverständnis.
Der Gemeinderat beschloss 2022, das Projekt im Rahmen eines Konzeptverfahrens in Erbpacht auszuschreiben. Dabei sollte auch die Frage „Erhalt oder Abriss?“ geklärt werden. Kurz darauf löste der Ukrainekrieg eine schwere Krise der Bauwirtschaft mit explodierenden Bau- und Finanzierungskosten aus. Vor diesem Hintergrund befürchtete die Stadt Stuttgart zurecht, dass eine Konzeptvergabe kaum zu attraktiven Angeboten führen würde und stoppte das Verfahren.
Angesichts der angespannten Haushaltslage erscheint es derzeit wenig wahrscheinlich, dass die Stadt das Projekt selbst realisiert – obwohl es stadtentwicklungspolitisch als hochrelevant gilt.
Dies führte in engagierten bürgerschaftlichen Kreisen und im Quartier zur Frage, ob eine breite gesellschaftliche Initiative das Projekt initiieren und tragen könnte. Vorgespräche mit verschiedenen Akteuren zeigten die Herausforderungen eines solch großen städtebaulichen Projekts, aber auch Begeisterung und Dringlichkeit.
2. Gesprächsergebnisse
Beteiligung, Stimmung im Quartier und Potenziale
- Der bisherige Beteiligungsprozess war aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger sehr wichtig. Die Menschen fühlten sich ernst genommen und waren bereit, sich mit vielen differenzierten Ideen einzubringen. Es besteht der Wunsch, nicht nur „von außen“ betrachtet zu werden, sondern „von innen heraus zu leuchten“ und mitzuwirken.
- Gleichzeitig ist die Stimmung im Viertel von Frustration geprägt, weil der Prozess als langwierig erlebt wird und noch keine sichtbaren Ergebnisse vorliegen.
- Es besteht Einigkeit, dass nur in enger Abstimmung zwischen Behörden und Bürger:innen das Projekt zum Erfolg geführt werden kann. Das erarbeitete Konzept ist weiterhin aktuell und eine robuste Grundlage für die Realisierung.
- Das Züblin-Parkhaus wird als großer Möglichkeitsraum gesehen: nicht nur als Problemfall, sondern als Ort mit herausragender Lage in der Stadt und entsprechendem Potenzial. Der Prozess hat gezeigt, dass eine defizitorientierte Perspektive nicht hilfreich ist. Dies heisst auch, dass wirtschaftliche Aspekte sorgfältig abgewogen werden müssen. Leistungen für die Stadtgesellschaft brauchen allenfalls städtische Unterstützung (Erbpacht, Baurecht, Ankermiete), diese ist aber Teil eines immobilienwirtschaftlich robusten Konzepts.
Inhaltliche Leitideen: 3. Raum
- Ein „3. Raum“ ist ein offener, sozialer Ort der Begegnung jenseits von Zuhause (1. Raum) und Arbeit (2. Raum). Teile des Züblin-Parkhauses sollen zu einem solchen Raum im Quartier werden.
- Partizipation und Verankerung im Quartier sind im Konzept des 3. Raums angelegt. Sozialräumliche Perspektiven, Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Bezahlbarkeit und der Zugänglichkeit muss das Projekt beantworten.
- Das Züblin-Parkhaus (z.B. ein Förderverein in der Entwicklungsphase) muss eine moderierende Rolle in einer Nachbarschaft im Wandel übernehmen. Die Baustellen des Breuninger-Hubs, des Hauses für Film und Medien verändern das Quartier und belasten es die nächsten Jahre. Mit der Leonhardskirche, vielfältigen kulturellen Initiativen sind aber engagierte Kräfte wirksam, die im Zusammenspiel ein Quartier der Vielfalt und Integration schaffen können.
Bürgerschaftliches Engagement und neue Rollenverteilung
- Der „Spirit“ der Bürgerschaft in Stuttgart lebt. Viele Menschen (vor allem mit künstlerischem Hintergrund) können mit vergleichsweise wenigen Mitteln sehr qualitätvolle Räume schaffen – dieses Potenzial soll bewusst aktiviert werden.
- Es besteht ein Konsens, dass die Kommune angesichts knapper Ressourcen überfordert ist und es neue Modelle braucht, um soziale Infrastruktur zu finanzieren und zu tragen. Hier öffnet sich ein Fenster für bürgerschaftliches Engagement.
- Die Leuchtkraft des Projekts soll vor allem aus seinem Inhalt entstehen – aus gelebter Nachbarschaft, sozialer Mischung, Kultur und Teilhabe.
Struktur, Governance und Lernprozesse
- Die Initiative eines Vereins „Dritter Raum“ hat das Potenzial, Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger Institutionen, Stiftungen, Gewerbe, Einzelpersonen einzuladen, sich an diesem kooperativen Prozess zu beteiligen.
- Für den Bau und Betrieb scheint ein genossenschaftliches Modell sinnvoll, weil es Beteiligung, Verantwortung und Gemeinwohlorientierung verbindet. Ein zivilgesellschaftlicher Verein könnte unterstützend tätig sein und eine breite Basis schaffen.
- Es besteht Einigkeit, dass eine belastbare Roadmap nötig ist, um Vertrauen zu schaffen und den Prozess voranzubringen. Dazu gehört eine nüchterne Analyse: Was ist finanziell, planerisch und organisatorisch in den nächsten Jahren realistisch?
- Von ähnlichen Initiativen kann und soll gelernt werden. Die IBA’27 hat den Überblick und ein breites Netzwerk.
Bestand, Abriss und Beispiele
- Im Prozess muss geklärt werden, ob und inwieweit der bestehende Bau weiter genutzt werden kann. Beispiele für gelungene Umnutzungen können helfen, den Diskurs zu versachlichen und gemeinsame Bilder zu entwickeln. Es geht darum zu entscheiden, ob die Nutzung und Weiterentwicklung des Bestands wünschenswert ist – im Ergebnis kann auch ein Abriss stehen, wenn er fachlich und gesellschaftlich begründet ist.
- Wichtig ist Transparenz: Die Stadtgesellschaft soll wissen, dass es sich um einen offenen Prozess mit neuen Ideen handelt, nicht um einen verkappten Grundstücksverkauf. Dies gilt auch gegenüber der Stadt, die in ihren Vergabeprozessen an Regeln gebunden ist.
Einbindung der bisherigen Akteur:innen und Erinnerungskultur
- Menschen, die im bisherigen Beteiligungsprozess aktiv waren, müssen wieder mit ins Boot geholt werden. Ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Motivation sind wichtige Ressourcen.
- Die Geschichte des Quartiers darf nicht vergessen werden: Viele Bewohner:innen haben mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit den Wohlstand der Stadt und das Quartier mit aufgebaut. Dieser Beitrag soll sichtbar anerkannt und im Projekt gewürdigt werden.
- Der entstehende „Begegnungsort“ im früheren „Störstein“ Parkhaus kann helfen, Grenzen zu überwinden und eine neue Identität für das Quartier zu entwickeln.
4. Vorschlag für das weitere Vorgehen
Zielbild: Die Stadtgesellschaft übernimmt Verantwortung
Es besteht der Wunsch, dass die Stadtgesellschaft – Bürger:innen, Initiativen, Institutionen und Partner:innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft – das Heft zunehmend selbst in die Hand nimmt und der Stadt ein strukturiertes, tragfähiges Angebot macht. Konkret vorgeschlagene nächste Schritte:
1. Gründung des Vereins „3. Raum“
· Zusammenschluss engagierter Personen und Institutionen, die das Projekt ideell tragen.
· Klärung von Zielen, Rollen und Selbstverständnis (insbesondere in Bezug auf eine spätere Rolle als Projektentwickler:in und Bauherr:in).
2. Pre-Phase
· Aufbau einer kleinen, arbeitsfähigen Struktur („Keimzelle“).
· Initiales Fundraising, z.B. über Mitgliedsbeiträge (Richtwert z.B. 50 €) sowie Spenden und Akquise von Förderpartner:innen.
· Erarbeitung einer ersten Kommunikationsstrategie (Website, Informationsmaterial, Dialogformate).
3. Einrichtung einer Geschäftsstelle und Projektsteuerung
· Aufbau einer minimalen Geschäftsstelle zur Koordination (Teilzeit / Ehrenamt plus professionelle Unterstützung).
· Benennung einer Projektsteuerung, die den Prozess bündelt, Meilensteine definiert und nach außen verlässlich kommuniziert.
4. Sechsmonatige Phase bis zur „Entscheidungsreife“
· Ziel: Innerhalb von rund sechs Monaten belastbare Zusagen über Eigenmittel in Höhe von ca. 10–15 Mio. € erarbeiten (Kombination aus Eigenkapitalzusagen, Fördermitteln, Partnerschaften).
· Parallel: Prüfung und Auswahl der geeigneten Organisationsform (z.B. Genossenschaft, Stiftung oder Hybridmodell)
5. Klärung der Rahmenbedingungen mit der LHS
· Verhandlung einer grundsätzlichen Einigung zu Erbpacht, Laufzeiten, Auflagen, Nutzungsvorgaben und Rolle der Stadt (Anmietung von Flächen etc.).
· Sicherstellung, dass die LHS das Projekt wohlwollend begleitet und politisch mitträgt.
6. Genossenschaftsgründung (bei passenden Rahmenbedingungen)
· Formale Gründung der Genossenschaft (oder alternativer Trägerform), die als Bauherrin bzw. Hauptträgerin des Projekts auftritt.
· Erweiterung des Kreises um weitere professionelle Partner:innen (Wohnungswirtschaft, Soziale Träger, Kultur, Wirtschaft, Stiftungen).
7. Projektentwicklung und Verfahren
· Aktualisierung bestehender Unterlagen (Studien, Beiträge aus dem Beteiligungsprozess, IBA-Material) und Überführung in eine tragfähige Projektstruktur.
· Entwicklung eines stufenweisen Verfahrens (z.B. konkurrierendes Gutachterverfahren, kooperatives Werkstattverfahren) zur Architektur.
· Erarbeitung einer realistischen Roadmap – sowohl in finanzieller als auch in sozialräumlicher Perspektive.
5. Fazit
Das Treffen hat deutlich gemacht, dass das Züblin-Parkhaus weit mehr ist als ein Bauwerk: Es ist ein symbolischer „Störstein“ mit dem Potenzial, zu einem starken, gemeinschaftlich getragenen „3. Raum“ für die Leonhardsvorstadt und Stuttgart Mitte zu werden. Entscheidend wird sein, jetzt den nächsten Schritt zu tun: aus der Idee eine handlungsfähige Struktur zu formen, die Stadtgesellschaft zu mobilisieren und gemeinsam mit der Stadt ein verständliches, tragfähiges und sozial wirksames Modell zu entwickeln.
Der Vorstand des Dritten Raum Stuttgart e.V.
Machen Sie mit!
Gestalten Sie aktiv Ihr Quartier mit uns zusammen
Wir laden Sie ein, Teil unseres engagierten Netzwerks zu werden und gemeinsam mit uns die Zukunft des Leonhardsviertels zu gestalten.